MED-2 · Stimmt die Meldung?
45 Minuten · Dein Ergebnis: ein Quellenurteil mit Belegen und einer offenen Frage. Eine persönliche Notiz bleibt bei dir.
Im Schulblog soll stehen: „Fast die ganze Schule will den Pausenkiosk abschaffen.“ Bevor ihr das übernehmt, prüft ihr die Belege. Die Schule und sämtliche Dokumente dieser Fallakte sind erfunden. Die Quellenrollen sind Teil des Unterrichtsfalls.
1 · Was genau wird behauptet? · 10 Minuten
Eine überprüfbare Behauptung sagt möglichst genau, wer, was, wann und für wen. Eine zugespitzte Überschrift ist ein Anlass zur Prüfung, kein Beweis für eine Lüge. Desinformation bezeichnet hier absichtlich irreführende Information. Ein Irrtum oder ungenaues Weitererzählen beweist diese Absicht nicht.
Prüfweg: Behauptung eingrenzen → Ursprung und Belege ansehen → eine davon unabhängige Quelle suchen → Urteil mit Grenze formulieren. Zehn Seiten, die dieselbe Meldung kopieren, sind keine zehn unabhängigen Bestätigungen.
M1 · Beitrag „Kiosk-Aus!“
Schulfeed, Konto Pausenalarm, 12. Mai, 16 Uhr. „90 Prozent gegen den Kiosk! Fast die ganze Schule will ihn loswerden. Teilt das, bevor es wieder verschwindet!“ Als Beleg ist ein Ausschnitt der folgenden Strichliste zu sehen. Die Zeile mit der Frage fehlt im Ausschnitt. 180 Mal geteilt.
Notiere die überprüfbare Behauptung aus M1: Was sollen die Befragten angeblich gewollt haben, und für wen soll die Aussage gelten?
2 · Die Fallakte öffnen · 10 Minuten
M3 · Vollständige Liste der Schülervertretung
11. Mai, große Pause, neben dem Kiosk. Frage: „Soll der Kiosk auch in der zweiten Pause öffnen?“ Antwort: Ja 18 Striche, Nein 2 Striche. 20 freiwillig Teilnehmende; die Schule hat 400 Schülerinnen und Schüler. Keine Namen erfasst. Die Liste dokumentiert nur diese Frage und diese Teilnahme.
M4 · Unabhängige Beobachtung des Schülerzeitungsteams
Eigenes Notizbuch, Eintrag vom 11. Mai; Auskunft am 13. Mai. Zwei Mitglieder des Teams waren für einen anderen Bericht vor Ort. Ihre Notiz nennt dieselbe Frage nach der zweiten Pause. Sie haben die Striche nicht mitgezählt und nicht geprüft, ob jemand zweimal teilgenommen hat. Sie haben ihre Beobachtung nicht aus M2 übernommen.
M5 · Weiterleitung in einer Schulgruppe
12. Mai, 17 Uhr. „Stimmt wohl, habe ich jetzt auch gelesen!“ Darunter steht nur ein Bild von M1. Weitere Belege fehlen.
Zuerst allein: Notiere ein vorläufiges Urteil zu M1. Worüber wurde abgestimmt, wie viele Personen nahmen teil, und was genau kann M4 unabhängig bestätigen? Lass diesen ersten Satz stehen.
M2 · Antwort der Schülervertretung – nach deinem ersten Urteil öffnen
Schulblog, 13. Mai, 8 Uhr. „Die Umfrage belegt keine Mehrheit gegen den Kiosk. Gefragt wurde nach längeren Öffnungszeiten. Über eine Abschaffung wurde nicht abgestimmt.“ Die Schülervertretung verlinkt ihre vollständige Liste M3.
Vergleicht: An welcher Stelle stimmen dein Urteil und M2 überein oder weichen ab? Entscheide anhand von M3 und M4, was du beibehältst oder änderst. M2 darf auch geprüft werden.
3 · Entscheide für die Redaktion · 15 Minuten
Bau deinen ersten Satz zu einer Redaktionsnotiz von etwa fünf kurzen Sätzen aus. Stichpunkte sind möglich:
- Welche konkrete Aussage aus M1 ist mit dieser Fallakte nicht haltbar? Belege mit M3 und einer genauen Angabe.
- Was stützt M4 unabhängig, und was kann M4 nicht bestätigen? Warum ist M5 keine weitere unabhängige Bestätigung?
- Wie könnte die Meldung weitergetragen werden? Untersuche die Aufforderung und den fehlenden Kontext. Ist eine absichtliche Täuschung bewiesen oder nur möglich? Begründe.
- Welche sachgerechte Überschrift würdest du stattdessen veröffentlichen? Nenne die begrenzte Bezugsgruppe.
- Welche zusätzliche Prüfung wäre nötig, wenn du wissen wolltest, was die ganze Schule über den Kiosk denkt?
Hilfe: Wie gewichte ich die Quellen?
Suche nicht einfach den sympathischsten Absender. M3 enthält Frage, Zahl und Teilnahmebedingungen. M4 hat einen eigenen Beobachtungsweg, aber nicht zu allen Angaben. M2 erklärt; M5 wiederholt. Frage jeweils: Für welche Teilbehauptung reicht dieser Beleg?
Hilfe: Wie kann ein vorsichtiges Urteil klingen?
„Die Aussage … ist durch … nicht gestützt, weil … . Belegt ist zunächst nur … . Offen bleibt … .“ Du musst nicht so tun, als seien beide widersprechenden Meldungen gleich gut belegt.
4 · Rückmeldung, neuer Fall und private Denkpause · 10 Minuten
Zuerst vier Minuten: Vergleicht eure Überschriften und Belege. Korrigiere eine zu weit gehende Aussage. Achtet besonders auf den Unterschied zwischen falschem Inhalt und nachgewiesener Absicht.
Dann drei Minuten ohne die alte Antwort: Neuer Fall. Die Theater-AG hat freiwillig zehn Mitspielende befragt. Acht wünschen einen zusätzlichen Probentag. Zwei lokale Blogs schreiben unter Berufung auf dieselbe AG-Liste: „80 Prozent aller Jugendlichen wollen mehr Theater.“ Welche Grenze und welcher nächste unabhängige Prüfweg sind nötig? Zwei Sätze genügen. Besprecht kurz.
Die letzten drei Minuten gehören dir: Denke an eine harmlose schulische Recherche, die du gemacht hast oder noch machen könntest. Was würdest du vor dem Weitergeben einer überraschenden Aussage konkret prüfen? Warum gerade diesen Schritt? Du kannst still nachdenken oder privat notieren. Nicht abgeben, nicht vorlesen, kein Erledigt-Haken. Wenn du keinen eigenen Bezug möchtest, nutze die fiktive Redaktionssituation. Das ist eine Fallübung und kein Nachweis persönlicher Reflexion.
Zentraler Ergebnisort nach der Besprechung: MED-2 · Belege haben eine Reichweite.
